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Das Spiel "Urlaub"

Ich weiß es noch sehr genau, es war ein heißer Tag im Frühsommer, als sich plötzlich alles veränderte. Man fand mich an einen Baum gebunden nahe einer Raststätte, da war ich gerade 7 Monate alt.

Es waren zwei Fremde, ich wollte nicht mit ihnen mitgehen, ich wartete auf mein Frauchen. Ich war mir sicher, sie würde bald wieder kommen und mich holen, sie hatte mich bisher noch nie so lange allein gelassen.
Die zwei Fremden, auch Frauchens, warteten eine Weile mit mir, doch es wurde immer später - und sie kam nicht zurück.

Bald wurde ich hungrig und müde, doch ich konnte nicht einfach mit den Fremden gehen!
Was würde Frauchen denken, wenn sie zurückkäme und ich wäre nicht mehr da? Ich, ihr Sonnenschein, ihr Schlappohr, wie sie mich immer nannte...
Sie wäre traurig und würde weinen und das wo ich keine Menschen weinen sehen kann...
Nein, ich würde warten und weiter jeden verbellen, der sich mir näherte. Sie würden schon sehen, dass Frauchen bald kommen und mich holen würde! In der letzten Zeit hatte sie immer von „Urlaub“ gesprochen.

Vielleicht war „Urlaub“ ja nur ein anderes Wort für „Verstecken - Spielen“? Das musste es sein! Ich war sicher, würde ich nur lange genug warten, dann käme sie bald zurück und wir würden wieder zusammen sein.

Die beiden Fremden waren gegangen. Sie hatten noch zweimal versucht sich mir zu nähern, mich loszubinden und mitzunehmen, aber ich habe sie verbellt. Ich konnte doch jetzt nicht weg! Frauchen wäre so traurig, wenn ich fort wäre.

Langsam schmerzte mein Magen und ich fühlte mich matt und schläfrig, während hinter mir die Sonne vom Himmel verschwand. An den Baum gebunden sah ich sie nun schon zum zweiten Mal verschwinden (saß ich wirklich schon so lange hier?).
Ich wusste, morgen früh würde die Sonne wieder aufgehen, genauso wie ich wusste, dass Frauchen bald wieder bei mir sein würde. Bisher hattesie mich noch nie im Stich gelassen.  

Das Hungergefühl konnte ich verdrängen, aber ich war so schrecklich allein. Ob Frauchen wohl schneller kommen würde, wenn ich nach ihr rufen würde? Sie hatte mir das Bellen und Jaulen immer verboten, aber das hier war doch ein Notfall.

Frauchen, Frauchen, ich fürchte mich, ich möchte nicht länger allein hier sitzen und warten, Frauchen, bitte komm zurück... So jaulte ich die halbe Nacht und tat kaum ein Auge zu.

Als am nächsten Morgen die Sonne aufging, war ich immer noch allein und furchtbar hungrig. Es hatte ein bisschen geregnet und so konnte ich aus einer Pfütze in meiner Nähe trinken, aber der Hunger nagte weiter an mir.

Die zwei Fremden kamen wieder und stellten Futter vor mir ab. Ich zögerte, ich hatte gelernt, nichts von Fremden zu nehmen, aber ich hatte doch so großen Hunger. Ich hoffte, mein Frauchen würde nicht böse sein, wenn sie erfuhr, dass ich etwas von Fremden genommen hatte, und fraß den Napf leer.

Es war wunderbar, endlich wieder was im Magen zu haben, und das Wasser aus der Pfütze half, den Staub der letzten Tage wegzuspülen. Nachdem ich auch den letzten Krümel aus dem Napf verputzt hatte, wurde ich auf einmal sehr müde. Ich versuchte wach zu bleiben, wehrte mich dagegen, einfach einzuschlafen, wollte ich doch Frauchens Rückkehr nicht verpassen.

Und dann wurde ich losgebunden, schlossen sich Arme um mich und trugen mich fort.
Ich wollte bellen, mich wehren, sie sollten mich runterlassen, aber mir fehlte die Kraft. In Gedanken bat ich mein Frauchen um Verzeihung; ich hätte das Futter nicht annehmen dürfen - sie hatte Recht gehabt damit, dass es böse Menschen gäbe, die Hunde so vergiften würden. Nun würde ich bei Frauchens Rückkehr nicht da sein. Während ich noch getragen wurde, schlief ich dann auch bald ein...

Als ich aufwachte, war es kalt um mich herum, so kalt.
Man hatte mich in einer Art Käfig mit kaltem Boden und Gittern überall untergebracht. Und laut war es, so viele Hundestimmen .... Ganz klein kauerte ich mich in die Ecke, zitternd und voller Angst, was nun passieren würde.

Wo blieb bloß Frauchen? Sollte sie zum Baum zurückgekommen sein und suchte mich nun verzweifelt?
Oh, Frauchen, es tut mir so leid, ich war schwach und so hungrig... Als ich schon sehr lange zitternd und zusammengekauert in der Ecke lag, kam auf einmal jemand zu mir. Ich wurde hochgehoben und angeschaut, herumgedreht und angesprochen. Dabei fühlte ich mich gar nicht wohl und zog die Nase kraus. Ein heiseres Knurren erklang aus meinem tiefsten Inneren, und ich hoffte, dieser penetrante Mensch würde nun endlich gehen und mich allein lassen.

Tatsächlich setzte er mich wieder ab und murmelte etwas von „das wird schwierig“, bevor er wieder verschwand und mich allein in meinem Gefängnis zurückließ.  

Viele Sonnenaufgänge verbrachte ich umgeben von diesen Gittern, tagsüber in meine Ecke gekauert und nachts jaulend an der Gittertür. Ich hatte versucht zu entkommen, wenn die Tür aufging und das Futter gebracht wurde - aber wie ich auch knurrte und schnappte, sie hatten mich immer wieder eingefangen und sperrtenmich ein.

Nachts war ich einsam und rief nach Frauchen. Es war nun schon so lange her, ich hatte schon fast vergessen, wie sie aussah, roch und wie sich ihre Stimme anhörte, aber ich gab nie auf. Ich wusste, irgendwo da draußen war mein Frauchen und vermisste mich genauso wie ich sie.  

Noch oft kamen Menschen an meinem Gefängnis vorbei, doch ich vertrieb sie. Ich wollte mein Frauchen zurück, niemanden sonst. Ich brauchte keinen neuen Freund, keine neue Familie, wie ich die Menschen hier oft reden hörte, die mit dem Futter kamen, ich brauchte mein Frauchen. Nur für sie hatte ich bisher gelebt,. und nichts, was hier geschah, konnte etwas daran ändern.

Eines Tages, viele hunderte Sonnenaufgänge später, kamen zwei Menschen und legten mir ein komisches Ding um die Schnauze, das verhinderte, dass ich mein Maul öffnen konnte und mir auch noch die Möglichkeit nahm, sie zu vertreiben. Ich versuchte mich zu wehren, aber sie waren viel stärker als ich.

Dann zogen sie mir ein Halsband über und befestigten eine Leine. Ich ahnte, was nun passieren würde... hatte ich doch schon viele Hunde diesen Weg entlanggehen sehen, aber nie war einer zurückgekommen. Ob nun alles ein Ende haben würde?

Oder war Frauchen doch noch zurückgekommen?
Zwischen Hoffen und Bangen und der Gleichgültigkeit der letzten einsamen Jahre ließ ich mich weiterführen zu einem kleinen Haus. Dort drin roch es unangenehm nach Alter und Schwäche, sogar nach Tod...

Hier war Frauchen bestimmt nicht. Was würde nun passieren? Ich hatte Angst, versuchte vergeblich, um mich zu beißen. Die beiden Menschen, die mich gebracht hatten, hoben mich auf einen Tisch. Eine Frau trat ein und ich hoffte so sehr, es würde mein Frauchen sein - doch sie war nur eine weitere Fremde.  
Dann ging alles so schnell, ich erinnere mich kaum... Da war so ein spitzes Ding, das mich piekste, und dann wurde alles nach und nach taub. Und dann hatte ich plötzlich das Gefühl, frei zu sein, endlich wieder frei...  

 

..frei auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke. Hier gibt es viele Hunde mit denen ich spielen kann, und es gibt einfach alles, was sich ein Hund nur wünschen kann. Noch immer vermisse ich mein Frauchen, aber ich weiß, eines Tages werden wir wieder vereint sein. Einige der Hunde hier kennen auch das Spiel „Urlaub“.

Titus zum Beispiel, sein Herrchen hat ihn vor vielen Jahren an einer großen Straße aus dem Auto geschubst. Leider hat Titus das Spiel nicht verstanden und ist auf die Straße gerannt, um zu seinem Herrchen zurückzukommen. Dabei wurde er von einem Auto erfasst und kam dann hierher. Er schaut mir grad über die Schulter und sagt, dass ich seinem Herrchen ausrichten soll, dass es ihm leid tut, dass er das Spiel nicht verstanden hat und so nicht mehr mit ihm zusammen sein kann.  

Frauchen? Du fehlst mir so, jeden Tag meines Lebens denke ich an dich und warte noch immer auf den Tag, an dem wir wieder zusammen sein werden. Ich glaube nicht, was einige andere Hunde hier so erzählen: dass du mich im Stich gelassen hast und mich loswerden wolltest. Ich kenne dich doch, du hast mich immer geliebt, das könntest du nicht tun...

Kannst du nicht bald nachkommen, Frauchen? Ich bin immer noch so einsam ohne dich, bitte...

Ich werde hier stehen, am Ende der Regenbogenbrücke und treu warten, bis ich dich endlich wieder sehen darf. Machs gut, Frauchen, sei nicht so traurig, mir geht’s nun gut, ich denke an dich...  

  ( Verfasser: Melanie Jeske, 21.05.07 - für Buddy)


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